Hubert Robert

Als »Robert des ruines« – den Maler der Ruinen – bezeichnete der Philosoph und Kunstkritiker Denis Diderot (1713–1784) den Künstler Hubert Robert, der mit seinen Architektur- und Landschaftsansichten schon früh Bekanntheit erlangte.

Der Sohn eines Kammerdieners erhielt seine erste Ausbildung in der Werkstatt des Pariser Bildhauers Michel-Ange Slodtz (1705–1764), bevor er für insgesamt elf Jahre nach Italien ging. Der Aufenthalt im Süden prägte sein künstlerisches Schaffen nachhaltig.

Zurückgekehrt nach Paris, wurde er 1766 Mitglied der königlichen Akademie und beteiligte sich von da an regelmäßig an den Salonausstellungen. Darüber hinaus war er über viele Jahre hinweg mit der Gestaltung der königlichen Gärten betraut und wirkte ab 1784 als Konservator der königlichen Kunstsammlung. Neben drei Gemälden bewahrt die Karlsruher Kunsthalle acht Zeichnungen Hubert Roberts. Darunter sind rasche Skizzen, aber auch detailliert ausgeführte Arbeiten, die bereits von den Zeitgenossen als eigenständige Kunstwerke geschätzt wurden.

Hubert Roberts umfangreiches Werk bewegt sich am Schnittpunkt zwischen Gegenwart und Vergangenheit und sensibilisiert für die Wandlungsprozesse, die in den Spuren vergangener Zeiten genauso zu finden sind wie in den städtebaulichen Veränderungen der Gegenwart.

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Hubert Robert: Römisches Capriccio mit Straßensängerin, 1759

Robert, der zahlreiche Ansichten römischer Bauwerke schuf, war selbst an einer von dem Altertumsforscher Comte de Caylus (1692–1765) initiierten Dokumentation antiker Werke beteiligt. Seine Zeichnung fordert jedoch nicht zur wissenschaftlich-kritischen Reflexion auf, sondern bietet eine theatralische Inszenierung vor den Kulissen der römischen Vergangenheit. Wie auf einer Bühne bewegen sich die Menschen unbefangen zwischen und auf den herumliegenden Friesen, Kapitellen, Säulen- und Gebälkstücken hin und her. Schaulustige haben sich um eine vortragende Person versammelt, während ein mit einer Fackel ausgerüsteter Mann in einen Spalt unterhalb der Stufen blickt. Die in Kapitalen ausgeführte und latinisierte Signatur auf dem rechts liegenden Fragment fügt sich nahtlos in diese Inszenierung ein, und hebt die zeitliche Distanz zwischen dem Künstler und der Antike auf.

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Hubert Robert: Gewölbte Säulengalerie mit antiker Sitzstatue, 1770er Jahre

Die Ansicht der tonnengewölbten Galerie weckt die Vorstellung einer Antike von monumentaler Größe und Pracht. Die Dimensionen der in Teilen noch verschütteten Architektur zeigen sich eindrucksvoll im Vergleich der Menschen, welche auch diese Darstellung bevölkern und sich zwischen den am Boden liegenden Bauteilen und der Statue im Vordergrund bewegen. Der Künstler wählte die Überreste der Antike als Kulisse alltäglicher Szenen: Er zeigt plaudernde Frauen, eine Wäscherin und Hirten, die mit ihren Tieren den gewölbten Raum durchqueren.

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Hubert Robert: Abbruch der Häuser auf der Notre-Dame-Brücke in Paris, 1786

Aus einem aufgelösten Skizzenbuch Roberts ist ein kleines Blatt erhalten, auf dem der Künstler Beobachtungen seiner Streifzüge durch Paris festhielt. Auf den handlichen Verbund mehrerer Seiten verweisen kleine Heftlöcher an der oberen Langseite der Darstellung und die beiden abgerundeten Ecken unten.

Vorder- und Rückseite des Blattes zeigen Studien zu verschiedenen Themen: Drei flüchtige Figurenstudien stehen der blattfüllenden Ansicht eines der Läden auf dem Pariser Pont Notre-Dame gegenüber. Die Kargheit des leeren Zimmers und der beschädigte Kamin rechts verweisen auf die Abbrucharbeiten, die 1786 auf der Brücke durchgeführt wurden.

Doch scheinen die beiden in Rückansicht vor den zentralen Fenstern wiedergegebenen Frauen davon unberührt. Sie genießen noch einmal den Blick über den Fluss. Die Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Steinbrücke folgte der alten römischen Verkehrsachse und verband die rechts der Seine liegende Stadthälfte von Paris mit der Île de la Cité. Als Hauptweg zwischen Nord und Süd war sie ein attraktiver Verkaufsort, auf dem hochwertige Luxusgüter gehandelt wurden.

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Hubert Robert: Der Abbruch der Häuser auf der Notre-Dame-Brücke in Paris, um 1788

Der Abriss der Geschäfts- und Wohnhäuser auf der Pont Notre-Dame war lange diskutiert und 1785 schließlich beschlossen worden. Als wesentliche Gründe dafür wurden die der Verkehrsdichte geschuldete große Unfallgefahr, die notwendige Be- und Entlüftung der Stadt, die geplante Flussregulierung und der Wunsch nach einer freieren Sicht auf die Stadt angeführt. Hubert Robert hielt in mehreren Zeichnungen und Gemälden den Abbruch der Brückenhäuser fest. Seine Werke dokumentieren den Beginn einer umfassenden Umgestaltung von Paris, die Ende des 18. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und rund 100 Jahre andauern sollte.