Kohlen und schwarze Kreiden

Die Kohle ist eines der ältesten natürlichen Zeichenmittel und wird durch die Verkohlung kleiner Holzstäbchen gewonnen. Ihre Farbe variiert je nach verwendetem Holz und Grad der Verkohlung.

Die schlechte Haftung des Materials auf Papier bringt sowohl Vorteile, als auch Nachteile mit sich: Die*Der Künstler*in kann sie für eine Vorzeichnung nutzen und anschließend völlig auslöschen. Soll jedoch ein dauerhaftes Bild entstehen, ist eine Fixierung nötig. Entsprechende Verfahren wurden allerdings erst Ende des 14. Jahrhunderts entwickelt und waren zunächst nur selten zuverlässig. Ein haltbareres Ergebnis versprach das Eintauchen der Zeichenkohle in Öl. Nach dem Trocknen brachten die so behandelten Kohlen außerdem einen deutlich dunkleren Abrieb auf das Papier. Eine gelegentliche Begleiterscheinung dieser Vorgehensweise war allerdings eine leichte Braunfärbung des Papiers, um die fetthaltige Linie herum.

Kreide

Schwarze Kreide wird auch Steinkreide genannt. Gewonnen wird sie aus Schiefer, der in vierkantige Stifte geschnitten wird. In natürlichem Zustand enthält sie oft mineralische Elemente, wodurch der Strich ungleichmäßig wird und durch grobe Teilchen das Papier verletzen kann. Daher wurden bereits im 17. Jahrhundert Verfahren entwickelt, in denen die Naturkreide gemahlen und gereinigt wurde, um anschließend mit einem Bindemittel zu Stiften gepresst zu werden. Wie die Kohle kann auch die schwarze Kreide in ihrer Farbigkeit variieren.

Eine Abbildung der Zeichnung Flusslandschaft mit Viehweide bei Vollmond aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Der Künstler Jean-François Millet schuf diese vermutlich 1845.
Jean-François Millet: Flusslandschaft mit Viehweide bei Vollmond, um 1845 (?)

Kunstkreide

Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurden aus Lampenruß und Bindemitteln unterschiedliche schwarze Kunstkreiden hergestellt. Mit ihnen konnten präzise, tiefschwarze, aber auch weiche, wischbare Linien aufgetragen werden.

Zahlreiche Künstler*innen bedienten sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als Traum und Unbewusstes als darzustellende Motive zunehmend an Bedeutung gewannen, an schwarzen Zeichenmitteln. Diese eigneten sich besonders für die Bilder aus einer verschwommenen, schemenhaften Welt.

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Odilon Redon schuf eine ganze Reihe von »Noirs«, wie er selbst seine schwarzen Darstellungen von etwa 1870 bis 1890 nannte. Sie sind Teil einer künstlerischen Richtung im 19. Jahrhundert, die sich dunklen Zeichenmedien und druckgrafischen Techniken widmete. Redon bedeckte das Papier zunächst mit – teils pulverisierter – Kohle und wischte und radierte anschließend mit Brot, Karton, Bürsten, Schwämmen oder der Hand Graustufen aus der dunklen Fläche. Helle Linien kratzte er mit scharfen Werkzeugen heraus, dunkle Flecken, Striche und Konturen erzeugte er mit einem schwarzen Stift. In einem kontinuierlichen Wechselspiel aus Farbauftrag und Farbabnahme entstanden vielschichtige, leicht verschwommene Bilder, die an traumhafte Erscheinungen erinnern.