Papiere und Wasserzeichen

Seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist eine europäische Papierherstellung nachweisbar, die zur Grundlage der hiesigen Entwicklung der Zeichenkunst wurde.

Papier

Die spezifischen Eigenschaften jedes verwendeten Papiers lassen zahlreiche Rückschlüsse auf die ästhetischen Vorlieben des Künstlers sowie auf seine dem Werk zugrunde liegende Intention zu. Sorte, Qualität und Format zeigen beispielsweise an, ob es sich um eine spontan auf einem Stück Papierrest festgehaltene Idee oder um eine sorgfältig vorbereitete, repräsentative Zeichnung handelt.

Wasserzeichen

Ein spannendes Detail vieler Papiere ist das »Wasserzeichen«, dem innerhalb der Papierforschung eine besondere Bedeutung zukommt. Es gelangt bereits bei der Papierherstellung auf das Papier, indem ein Ornament aus Metalldrähten auf das Schöpfsieb aufgenäht wird. Das geschöpfte Papier ist an der entsprechenden Stelle dünner, sodass Licht hindurch scheint und das Ornament im Gegenlicht hell hervortreten lässt. Meist handelt es sich um figürliche Darstellungen, um Buchstaben, Namen oder Namenskürzel.

Das Wasserzeichen taucht im 13. Jahrhundert in Italien auf und ist im 14. Jahrhundert bereits weit verbreitet. Obwohl es ein nützliches Indiz für die Herkunft eines Papieres ist und im Idealfall Datierungen und Zuschreibungen liefern oder festigen kann, ist seine systematische Erfassung und genaue Zuordnung aufwendig. Manche Zeichen wurden in leichten Variationen von verschiedenen Papiermachern und zudem über lange Zeiträume hinweg benutzt. Auch kann es aufgrund der Verwendung mehrerer Siebe sowie ihrer Abnutzung zu leichten Unregelmäßigkeiten der Formen kommen. Dies führt dazu, dass auch die Wasserzeichen ein und desselben Herstellers minimal voneinander abweichen können. Gelingt eine Zuordnung, kann das Wasserzeichen jedoch zur Bestimmung konkreter Papiermacher und –händler dienen und gibt zudem Einblicke in Handels- und Wirtschaftsbeziehungen der jeweiligen Zeit. Gedruckte Verzeichnisse und Datenbanken stellen eine ständig zunehmende Menge an Referenzen zur Verfügung, die die Bestimmung von Wasserzeichen erleichtert.

Abbildung eines Details von des Werks von Edme Bouchardon: Modell für den Genius des Sommers der »Fontaine de grenelle«, das zwischen 1739 und 1745 entstand und in der Ausstellung sehen denken träumen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen ist.
Detail von Edme Bouchardon: Modell für den Genius des Sommers der »Fontaine de grenelle«, zwischen 1739 und 1745
Eine Abbildung der Zeichnung Modell für den Genius des Sommers der »Fontaine de grenelle« aus der aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Der Künstler Edme Bouchardon schuf diese zwischen 1739 und 1745.
Edme Bouchardon: Modell für den Genius des Sommers der »Fontaine de grenelle«, zwischen 1739 und 1745

Ein besonders gut sichtbares Wasserzeichen des in der Auvergne ansässigen Herstellers Vimal weist die vorbereitende Zeichnung zum Genius des Sommers von Edme Bouchardon auf. Das Papier bestätigt in diesem Fall die Zusammengehörigkeit einer Werkgruppe, da es sich auch auf anderen Zeichnungen des Künstlers findet.