Pastelle

Pastellkreiden bestehen aus pulverisierten Pigmenten, die gemeinsam mit Füllstoffen (wie Kreide oder Bleiweiß) sowie einem wässrigen Bindemittel gepresst, geformt und dann getrocknet werden. Durch unterschiedliche Mischungen der Pigmente können unzählige feinste Farbnuancen hergestellt werden.

Zum Abrieb des feinen Pigmentstaubes benötigt die Pastellmalerei eine raue Oberfläche, zum Beispiel aufgerautes Pergament oder Papier. Da das Farbpulver nach dem Abrieb beim Zeichnen nur lose auf dem Bildträger liegt, kann es – wie bei Kohlezeichnungen auch – leicht berieben oder verwischt werden. Trotz unterschiedlicher Möglichkeiten der Fixierung, ist ihre große Empfindlichkeit kennzeichnend für diese Technik.

In Grafischen Sammlungen werden Pastelle meist gerahmt aufbewahrt und Transporte möglichst vermieden.

Zeichnung oder Malerei

Die Technik des Pastells nimmt eine besondere Position zwischen Zeichenkunst und Malerei ein. Die farbigen Kreiden bieten ein vielseitiges künstlerisches Ausdruckspotenzial – von feinster Detailgenauigkeit bis zu breiten, körnigen Linien und malerischen Verwischungen. Aufgrund der fließenden Farbübergänge wird auch von »Pastellmalerei« gesprochen. Nachdem sich das Pastell im 17. Jahrhundert zunehmend zu einer eigenständigen Technik entwickelte, wurde es zum entscheidenden Zeichenmittel in der Porträtkunst des 18. Jahrhunderts. Da sich die trockenen Kreiden auch für die Arbeit im Freien gut eigneten, gewannen die Pastellfarben besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erneut an Bedeutung.

Eine Abbildung der Zeichnung Weibliche Halbfigur mit großer Blüte und Profilkopf aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Der Künstler Odilon Redon schuf diese 1898.
Odilon Redon: Weibliche Halbfigur mit großer Blüte und Profilkopf, um 1898

Zu den herausragenden Künstlern dieser Technik gehörte Odilon Redon. 1877 war die Philosophie des Unbewussten von Eduard von Hartmann auf Französisch erschienen und regte die aktuelle Diskussionen über irrationale, unsichtbare Kräfte weiter an. Vor diesem Hintergrund erscheint Redons Pastell als eine traumhafte, ambivalente Vision: Die Blütenform verwandelt sich in einen Vogel, der seinen gekrümmten Schnabel zur Frau senkt. Diese gleicht mit ihrem bekränzten Haupt und klassischem Gewand einer mystischen Priesterin, der ein geisterhafter Kopf etwas zuflüstert. Dabei wurden in den beiden Figuren ganz reale Ähnlichkeiten zu Redons Ehefrau und seinem Sohn gesehen, deren porträthafte Züge der Künstler wiederholt in seinen Bildern aufnahm.